FSV Wacker 03 Gotha e. V.

Teil 1 - An die Jugend

Thomas Fiedler, 17.12.2017

Teil 1 - An die Jugend

Mal was anderes als Fußball - Botschaften eines Präsidenten

Liebe jugendlichen Wackerfußballer und jungen Männer,

ich bin nun schon ein paar Jahre an eurer Seite und darf als Präsident für euch und eure fußballerische aber auch menschliche Entwicklung mitverantwortlich sein. Ich weiß schon, dass solche Posten einen Jugendlichen kaum interessieren aber dennoch braucht es sie, damit dieser Laden hier am Laufen gehalten wird. Außerdem habe ich wie ihr wisst selbst zwei Fußballersöhne und weiß daher so ungefähr wie Ihr tickt. Und weil ich Gott-sei-Dank sowohl bei deren Erziehung als auch während meiner Vereinsarbeit Fehler mache, möchte ich mich zum Jahresende mit ein paar Gedanken diesmal exklusiv an euch junge Menschen wenden und euch zum Fehlermachen animieren.

Ja, ihr habt richtig gelesen. Ich fordere euch zu Fehlern auf, weil es euern Charakter formen wird, wenn ihr Fehler macht, sie erkennt und die entsprechenden Schlussfolgerungen daraus zieht. Irgendwann werdet ihr feststellen, dass ihr aus diesen Schnitzern wesentlich mehr für’s Leben mitgenommen habt als aus euern Erfolgen.

 

Das ist so einfach gesagt, doch gibt es auch beim „Fehlermachen“ ein paar Dinge zu beachten. Auch wenn ich eure Generation mag, so gibt es genug Menschen reiferen Alters, die das nicht unbedingt so sehen. Sie, die Älteren, charakterisieren euch häufig als zu wenig leistungsbereit, als verwöhnt, vorlaut und oberflächlich. Das mag sein aber das waren wir Alten früher auch, manche von uns haben es nur vergessen.

Natürlich mögen diese schlechten Eigenschaften auf manche jungen Leute zutreffen, sicher und gewiss gibt es auch die jugendlichen Schnösel, die mit Papas Geld und großen Partys sich versuchen Vorteile oder sogar Freundschaften zu erkaufen. Aber in eurer Gesamtheit seid ihr heute viel ehrlicher und aufrechter, als ich es in euerm Alter war. Und wisst ihr warum? Weil ihr heute sofort eure Meinung sagt, weil ihr das Gesagte des erwachsenen Gegenübers sofort in Frage stellt, wenn es euch unlogisch oder unverständlich erscheint und weil ihr keine Hemmungen habt, schon im ersten Gespräch nach einer Gegenleistung oder Vergütung zu fragen, wenn man etwas von euch verlangt. Ihr habt die Art und Weise des Funktionierens unserer Gesellschaft viel schneller verstanden, als es uns seinerzeit vergönnt war. Ja, ich finde es angenehm, wenn ihr die Anerkennung für eure Leistungen offensiv einfordert und eure Meinungen herausfordernd vertretet.

Einigen Erwachsenen, die alle noch die gute Schule der alten Erziehung gelernt haben, geht das auf die Nerven. Sie kommen nicht oder nur schwer damit zurecht, wenn ihr ständig alles in Frage stellt. Sie müssen erkennen, dass es nicht mehr ausreicht, nur Kraft des Alters alles Recht für sich in Anspruch nehmen zu können.

Gewöhnt euch das Fragen, das auf den Nerv gehen, dass Fordern nach Anerkennung und Wertschätzung aber auch das Rufen nach Mitbestimmung bitte nicht ab, denn es ist eine unendlich wertvolle Fähigkeit.

Auch ist es euer gutes Recht, dass ihr in eurer Sturm-und-Drang-Zeit versucht Grenzen zu überschreiten, euch auszuprobieren und auszutesten, wo die Schmerzgrenze des Tolerierens bei euren Eltern, Trainern oder Lehrern liegt. Ja, liebe junge Menschen, macht diese Fehler, wir älteren haben sie auch gemacht und in der Regel haben sie uns in unserer Entwicklung geholfen.

 

Wenn ich euch mit dem Gesagten mein Verständnis und besonders meine Achtung entgegenbringe, gestattet mir, auch kurz auf ein paar andere Dinge zu sprechen zu kommen.

Wenn ihr eingangs von mir die Vorschusslorbeeren für das in Frage stellen, Anerkennung einfordern, Mitbestimmung verlangen usw. bekommen habt, heißt das allerdings nicht, dass jeder tun kann, was er will. Dies geht nicht in einer Gemeinschaft und schon gar nicht in einem Mannschaftssport. Demokratie heißt eben auch, dass es Regeln gibt, dass man sich der Mehrheit unterwirft und dass ein Trainer da ist, dessen Anweisungen auf Trainingsplatz und im Meisterschaftsspiel schonungslos umzusetzen sind. Hinterher, in den Auswertungen, kann sicher über so manches auf sachlicher Grundlage diskutiert werden und ein guter Trainer wird das seinen Spielern auch zugestehen. Trainer, Lehrer und Eltern machen nicht alles richtig aber sie tragen in vielen Situationen eben die Verantwortung und sind das Spiegelbild ihrer Mannschaft nach draußen.

Dessen solltet ihr euch bewusst sein. Offen seine Meinung zu vertreten und eine Erklärung für das „Warum?“ zu fordern heißt nicht, dass man den Respekt vor dem Gegenüber verlieren darf. Bitte achtet künftig mehr darauf, sowohl bei der Wortwahl als auch in eurer Körpersprache, auch untereinander.

Und noch etwas: Das „Du“ bietet übrigens immer der Ältere an und ja, es stimmt wirklich, auch die meisten Mädels von heute lieben Komplimente, bekommen gern die Tür aufgehalten und achten auf Etikette.

Außerdem solltet ihr wissen, dass nicht alles richtig und wahr ist, was irgendein Hirni oder auch ein geschickter Fälscher in euren Netzen verbreitet. Glaubt mir, auch eure Welt des Wikipedia-Wissens ist nur von Usern wie ihr und mir verfasst und nicht auf den Wahrheitsgehalt überprüft.
Und wenn ich euch eine diesbezügliche Empfehlung mit auf euren weiteren Schul- und Bildungsweg geben darf, fordert bei den Lehrkräften in Schulen und Universitäten ein, dass der kritische Umgang mit Informationen jeglicher Art dringend mehr gelehrt und geübt werden muss. Man bringt euch so viele belanglose Dinge bei aber in keiner unserer Bildungseinrichtungen wird der Umgang mit Nachrichten und die Kompetenz sie zu bewerten angemessen unterrichtet.

Passt also bitte ein bisschen auf. Wir alle, auch meine Generation, sind sehr behütet aufgewachsen. Lassen wir uns das nicht von ein paar Spinnern kaputt machen, die uns mit Unwahrheiten und falschen Behauptungen in düsterste Zeiten Deutscher Geschichte zurückbringen möchten. Die Auseinandersetzung mit Rechts- und Linksextremismus solltet ihr Jungen deshalb gemeinsam mit uns Älteren angehen. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für die nicht nur allein die Politik zuständig sein kann.


Liebe Freunde,

ich weiß, dass ihr die Generation des oberflächlichen Lesens seid und meistens nur die Überschriften und ein paar wenige Textzeilen aufnehmt aber wenn ihr bis hierher gelesen habt, hatte mein Beitrag schon einen gewissen Erfolg.

Wenn ich also gerade eure Aufmerksamkeit habe, lasst mich euch deshalb gleich noch eine Botschaft mit auf den Weg geben.

Ihr lebt in einer sich schnell wandelnden aber auch in einer enorm geilen Zeit, ich beneide euch wegen eurer beruflichen Chancenvielfalt. Ihr alle habt den Begriff „Fachkräftemangel“ sicher schon gehört und das bedeutet, dass die Guten und sogar die Mittelmäßigen von euch sich lange Zeit keine Sorgen um ihren Job machen müssen. Ihr werdet gebraucht. Während sich eure Eltern noch bei den Unternehmen beworben haben, werden sich heute die Unternehmen bei euch bewerben. Es ist eure Chance, von dieser Situation ganz besonders zu profitieren, wenn man sich nicht mit Mittelmäßigkeit abgibt und Respektlosigkeit nicht als Lebensinhalt hat.

Einfach gesagt, kann fast jeder von euch werden, was er möchte und bei dieser Berufs- und Ausbildungsplatzwahl wollen und werden wir euch auch unterstützen. Das machen wir aus ganz egoistischen Gründen. Wir wollen, dass ihr in Gotha bleibt, hier arbeitet und in unserem Verein weiter Fußball spielt.

Ihr seht also, dass man sich beim FSV Wacker 03 Gotha nicht nur Gedanken um eure sportliche Entwicklung macht.

 

Abschließend noch eine nicht unwichtige Anmerkung.

Natürlich sind meine geschriebenen Worte subjektiver Art und können oder dürfen nicht als repräsentativ für alle ca. 340 Mitglieder sein. Allerdings sind sie zumindest eines, ein Beweis dafür, dass ich euch, egal wie jung ihr seid, auf Augenhöhe begegnen möchte.

Wir und da glaube ich nun wieder auch für alle anderen Wacker-Verantwortlichen zu sprechen, möchten eure Entwicklung auch abseits des Fußballplatzes begleiten, möchten euch ausreichend Freiraum auf euren individuellen Wegen ins Erwachsenenleben geben und euch jederzeit bei euren Fragen oder Problemen behilflich sein.

Ihr müsst nicht perfekt sein, seid so wie ihr seid, dann seid ihr authentisch und gut. Mir ist bewusst, dass eine jugendliche Entwicklung nicht einfach ist, wenn einem die TV-Werbung suggeriert, dass man immer cool, schön und reich zu sein hat. Wir beim FSV Wacker 03 Gotha brauchen keine perfekten Kinder, Jugendliche oder junge Männer (was natürlich alles auch für Mädels und junge Frauen gilt).

Wir brauchen euch so wie ihr seid und sind stolz auf euch.

 

Ich wünsche euch und euern Familien ein frohes Weihnachtsfest, besinnliche Tage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Euer Präsident

 

Teil 2 folgt in ein paar Tagen


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