FSV Wacker 03 Gotha e. V.

Trainerwechsel unausweichlich

Torsten Graf, 26.11.2017

Trainerwechsel unausweichlich

Thomas Fiedler, Präsident von Wacker 03 Gotha, im Oscar-Gespräch über den Trainer-Wechsel in der Verbandsliga, seine eigene Amtszeit und die nähere Zukunft des Vereins.

Herr Fiedler, es gibt Gerüchte, Sie seien amtsmüde und hätten im Zuge des Trainerwechsels mit dem Rücktritt gedroht. Stimmt das?

Das ist kein Gerücht gewesen. Ich habe in einer erweiterten Vorstandssitzung darauf hingewiesen, dass ich mich allein gelassen fühle. Und gesagt, wenn sich das nicht ändere, dann höre ich auf. Mit dem späteren Trainerwechsel hatte das aber nichts zu tun.

Hat sich da was geändert?

Ja, es ist sehr viel passiert seitdem. Die Unterstützung ist da. Ich mache da auch niemand einen Vorwurf. Vielleicht haben die anderen gedacht: „Der macht das schon“. Aber das Meiste im Alleingang lösen, das wollte ich nicht. Und darauf habe ich in der besagten Vorstandssitzung hingewiesen. Was dann daraus gemacht wurde, ist alles Kokolores, alles Quatsch. Im Ernst: Ich gehe dann, wenn der Erfolg im Verein nicht mehr zu toppen ist oder wenn ich meine Aufgabe als erfüllt ansehe. Beides ist nicht der Fall.

Die Trennung von Hagen Becker sorgte durchaus - nicht nur in Fußballkreisen bei Wacker - für Diskussionen...

Was ich natürlich verstehen kann. Aber diese Entscheidung war ganz sicher kein Schnellschuss. Und es war auch keine Einzelentscheidung nur vom Präsidenten. Aus meiner Sicht duldete die Entscheidung aber keinen Aufschub mehr und glauben Sie mir, es war kein leichter Schritt für uns.

Warum?

Weil Hagen Becker in den vergangenen zehn Jahren den Fußball bei uns im Verein entscheidend und beispielgebend mitgestaltet hat. Und er ist Wackeraner mit Leib und Seele. Das ist etwas anderes als wenn ein Trainer nur mal eine kurze Gastspielrolle gibt. Aber es ist so, dass ich die Entscheidung forciert habe, da mir keine überzeugende Idee zum Beseitigen der Misere in der Verbandsliga angeboten werden konnte und dass wir unterschiedliche Ansichten über den weiteren sportlichen Weg hatten, ist auch kein Geheimnis. Letztlich muss ich als Präsident Entscheidungen zum Wohle des Vereins treffen.

Was zu Veränderungen in der Vereinsspitze führte...

Ja, unser Vizepräsident Christian Gehret ist nicht mehr dabei. Das bedauere ich schon. Aber er war der Meinung, dass wir mit dem Trainerwechsel eine neue Ära eingeleitet haben - und er das als Grund genug sieht, sich aus der Vereinsspitze zurückzuziehen. Das respektiere ich natürlich. Bis zur Mitgliederversammlung kann der restliche Vorstand aber weitermachen, eine Neuwahl ist dadurch nicht nötig.

Mit Heiko Burkhardt haben Sie den A-Juniorentrainer zum Cheftrainer gemacht. Einer ohne Männererfahrung...

Die hatte Hagen Becker auch nicht, als er das Männer-Team übernahm. Das Argument zieht nicht, denn auch viele andere Vereine in der Verbandsliga haben ihren Trainer aus dem eigenen Verein rekrutiert.

Vier Punkte in drei Spielen hat er eingefahren. Ist er so gestartet wie erhofft?

Es ist kein Geheimnis, dass er mein Wunschkandidat war - und ist. Er spricht die Sprache der jungen Spieler - und ich bin optimistisch, dass er das Ruder herumreißen wird.

Also macht er weiter?

Es gilt wirklich: Alles kann, nichts muss. Fakt ist, dass wir uns Anfang Dezember treffen werden, um über die Zukunft zu verhandeln. Ich bin aber optimistisch, dass es anders ausgeht als die Jamaika-Verhandlungen am vergangenen Wochenende. Denn wir wissen, was wir voneinander zu halten haben.

Es gibt Leute im Umfeld des Vereins, die behaupten, Sie haben den Trainer eingesetzt, um ihre eigenen Söhne mittelfristig ins Verbandsliga-Team zu lotsen?

Muss ich eigentlich auf so etwas antworten?

Sie müssen nicht, Sie können aber...

Erstens hatte bereits Hagen Becker beide als Perspektivkader berufen. Beide sind von ihren sportlichen Voraussetzungen her hervorragende Fußballer und besitzen wie einige andere A-Junioren-Spieler auch, alle Voraussetzungen für einen Weg in die Männerverbandsliga. Egal unter welchem Trainer und egal in welchem Verein. Da braucht es keinen Vater als Präsidenten und Wege-Ebner. Aber sie müssen sich halt auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung dementsprechend verhalten und da lässt Heiko Burkhardt nicht mehr durchgehen als Hagen Becker. Ich denke, dass beide unter meiner Position im Verein eher leiden, weil jeder sagt: „Benimm dich als Vorbild, dein Vater ist schließlich der Präsident!“ Da rebelliert ein junger Mensch schon mal und das gestehe ich meinen, aber auch allen anderen Jugendlichen zu. Wer also solche Behauptungen aufstellt, für den habe ich nur ein mitleidiges Unverständnis übrig.

Sind Sie beleidigt, wenn so etwas erzählt wird?

In einem Verein ist es schwer, es immer allen Mitgliedern Recht zu machen. Als Präsident trage ich die Verantwortung für den Gesamtverein. Dem versuche ich mit bestem Wissen und Gewissen nachzukommen. Und Gegenwind - welcher auch immer - den muss ich dann auch aushalten.

Wie sieht es sonst im Verein aus?

Im Törpepark laufen die Umbauarbeiten, dort erbringen wir auch eine Menge an Eigenleistungen. Schön, dass uns Vereinsmitglieder dabei helfen. In den Nachwuchsmannschaften sieht es gut aus, die Ergebnisse stimmen. Natürlich fehlen uns - wie vielen anderen auch - an der einen oder anderen Stelle weiter qualifizierte Trainer. Doch insgesamt gesehen, können wir optimistisch in die Zukunft schauen!

 

Interview: Maik Schulz


Quelle:Oscar am Freitag vom 24.11.2017


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