FSV Wacker 03 Gotha e. V.

„Fehlende Nachwuchsarbeit rächt sich bald“

Torsten Graf, 01.08.2017

„Fehlende Nachwuchsarbeit rächt sich bald“

Johannes Drößler ist Schiedsrichter. Er gehört mit Steven Greif und Maximilian Knackstädt zu den Männern in Schwarz vom FSV Wacker 03 Gotha, die sich durch ihre Leistungen für höhere Aufgaben qualifizieren. Wir unterhielten uns mit dem 21-Jährigen, der ab dieser Saison in der Amateur-Oberliga pfeift.

 

Sie kommen gerade vom Spiel?

Ja, Qualifikation zum Thüringer Landespokal, ein faires Spiel, trotz vieler gelber Karten, bei dem ich wenig Mühe hatte. Am Ende setzte sich Sonneberg mit 7:4 gegen Trusetal durch.

 

Was macht den Reiz aus, Wochenende für Wochenende auf dem Platz zu stehen?

Es ist die gleiche Leidenschaft, die 22 Spieler dazu bringt, sich unter der Woche im Training zu quälen und am Samstag oder Sonntag im Wettkampfbetrieb zu stehen. Ich habe selbst lange Zeit Fußball gespielt, bei den B-Junioren und später auch noch einige Begegnungen der A-Junioren. Doch da hatten mich Dirk Honnef und Steven Greif schon mit ihrer Begeisterung für das Schiedsrichteramt angesteckt. Ich habe mich dann entschieden und mich als Spielleiter ausbilden lassen.

 

Ihr Verein, Wacker Gotha, zeichnet sich durch herausragende Jugendarbeit aus. Nicht nur bei den Spielern.

Nachwuchsarbeit ist für den Verein unerlässlich, um fit für die Zukunft zu sein. Unter den jungen Spielern finden sich immer wieder solche, die umsteigen und Schiedsrichter werden. Das ist besonders wichtig, wie man in der Kreisliga sieht, die in der neuen Saison ohne Assistenten an der Linie auskommen muss. Das zeigt, wie prekär die Situation ist. Viele Vereine kaufen lieber Spieler ein, anstatt auf Nachwuchsarbeit zu setzen. Das rächt sich schon bald.

 

Sie pfeifen in der neuen Saison in der Amateur-Oberliga, also wieder ein Stück weiter hinauf.

Das macht mich schon stolz. In der fünften Liga bin ich Schiedsrichter, für die Regionalliga habe ich eine Assistentenstelle. Das bedeutet aber nicht, dass ich vergesse, wo ich her komme. Ich leite hin und wieder auch ein Kreisligaspiel. Aber Amateur-Oberliga, da wird schon ein ganz anderer Fußball gespielt. Und auf meine Einsätze in der Regionalliga freue ich mich natürlich sehr.

 

Worauf besonders?

Ich habe drei Jahre lang in der Junioren-Bundesliga gepfiffen. Da habe ich eine hervorragende spielerische Qualität erlebt. Jetzt, im Herren-Bereich, kommt noch das Kämpferische hinzu.

 

Ist für Sie die Partie nach dem Abpfiff beendet?

Nein. Dann wird das Spiel aus Schiedsrichtersicht ausgewertet. Für mich ist Karl-Heinz Gläser verantwortlich, ein Mann, der in der DDR-Oberliga gepfiffen hat, aber auch 22 Begegnungen in der Bundesliga. Er nimmt meine Leistung jedes Mal akribisch auseinander. Das heißt, nach dem Schlusspfiff bin ich noch einmal mittendrin in der Partie. Die beginnt übrigens auch nicht mit dem Anpfiff für mich. Vorab informiere ich mich über die jeweiligen Mannschaften. Schließlich muss ein Schiri wissen, ob die Begegnung relevant für den Abstieg oder Aufstieg ist oder ob ein brisantes Derby ansteht.

 

Was macht aus Ihrer Sicht einen guten Schiedsrichter aus?

Wir sind Staatsanwälte, Verteidiger und Richter in einer Person. Nur, dass es keine lange Verhandlung gibt, sondern die Entscheidung blitzschnell gefällt werden muss. Deswegen glaube ich, dass ein Schiedsrichter die Fähigkeit haben muss, von Anfang an die 22 Charaktere unter einen Hut zu bringen, sich mit Kommunikation den nötigen Respekt und auch Vertrauen zu verschaffen. Wenn man selbst gespielt hat, weiß man, wie Spieler ticken. Ich suche lieber erst das Gespräch, ehe ich eine Karte zücke. Wenn das nicht fruchtet, greife ich natürlich durch.

 

Sind Sie ein Freund des Videobeweises?

Ja. Das ist grundsätzlich eine gute Sache. Wir sind Menschen, und auch der Blickwinkel eines Schiedsrichters geht über den eines jeden Menschen nicht hinaus. Fehler passieren. Wenn technische Assistenten helfen zu entscheiden, ob das Tor wirklich eines war, ob die Rote gerechtfertigt ist oder ein Elfmeter gegeben werden muss, finde ich das im Sinne der Spieler prima.

 

Wissen Sie schon, welche Spiele nächstes Wochenende zu leiten sind?

Klar, es sind gleich zwei Begegnungen in der Regionalliga. Am Samstag stehe ich in der Partie Neustrelitz gegen Auerbach an der Linie, gepfiffen wird sie von Marko Wartmann. Sonntag steht die Begegnung zwischen Altglienicke gegen Halberstadt an. Schiri hier ist Michael Wilske. Beide sind erfahrene Schiedsrichter, von denen ich viel lernen kann.

 

Schiedsrichter ist Ihre Leidenschaft. Aber Sie haben auch einen Beruf.

Ich bin derzeit in Ausbildung. Derzeit studiere ich in Schwerin an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit. Wenn ich fertig bin, will ich Menschen dabei helfen, wieder in Arbeit zu kommen.

 

Ergänzen sich dann Beruf und Hobby, schließlich haben Sie da wie dort mit Menschen zu tun?

Ich denke schon, dass ich von meinen Erfahrungen auf dem Fußballplatz profitieren kann. Und später auch solche aus meiner Arbeitswelt beim Sport einbringen kann.

 

 

Von Klaus-Dieter Simmen


Quelle:TLZ


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